Talanx Purpose Stories - Rhein
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Aktuell haben Trockenheit und Hitze die Rheinpegel auf einen historischen Tiefstwert seit Beginn der Aufzeichnungen sinken lassen: Die Schifffahrt ist vielerorts stark eingeschränkt; Schiffe können nur mit reduzierter Ladung verkehren und Güter müssen teilweise auf Straße, Schiene oder alternative Häfen umgeleitet werden. Der Rhein, eine der wirtschaftsstärksten Regionen Europas, zählt zu den wichtigsten Transportwegen: Er verbindet Wirtschaftsregionen und fungiert als Rückgrat der industriellen Wertschöpfung.
Die Ursache: monatelange Trockenheit und Hitze. Nach Einschätzung der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) könnten derartige Niedrigwasserphasen durch den Klimawandel künftig häufiger, länger und intensiver auftreten. Gleichzeitig nimmt der ausgleichende Einfluss von Schnee- und Gletscherschmelze in den Alpen zunehmend ab.
Die Folgen: von höheren Transportkosten und Lieferkettenunterbrechungen bis hin zu Belastungen von Ökosystemen, Trinkwasserversorgung und wasserabhängigen Industrien. Die Region sieht sich bis zum Ende des Jahrhunderts einer sogar dreifachen Bedrohung gegenüber:
- längere und häufigere Niedrigwasserperioden
- steigende Wassertemperaturen
- zunehmendem Risiko von Flusshochwassern.
HDI Risk Consulting (HRC), eine hundertprozentige Tochter von HDI Global, identifiziert Klimarisiken, die sich erheblich auf zentrale Wirtschaftsräume und kulturelle Wahrzeichen auswirken können. Dr. Nina Lenz leitete die Rhein-Analyse. Sie promovierte an der Universität Kiel und verfügt über nahezu vier Jahre Forschungserfahrung am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Ihr wissenschaftlicher Hintergrund liegt in den Geowissenschaften.
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„Was den Rhein besonders komplex macht, ist die unterschiedliche Entwicklung von Hochwasser- und Niedrigwasserrisiken im Jahresverlauf. Klimaprojektionen zeigen, dass sich die Hochwassersaison bis 2070 zunehmend in den Winter verlagern wird, da Niederschläge immer häufiger als Regen statt als Schnee fallen. Für die Winter werden häufigere und intensivere Starkregenereignisse erwartet, was das Hochwasserrisiko erhöht. Die Sommer hingegen werden voraussichtlich von längeren und intensiveren Dürre- und Niedrigwasserperioden geprägt sein. Unternehmen entlang des Rheins müssen sich auf beide Extreme einstellen.“ Dr. Nina Lenz, HDI Risk Consulting Risikoanalystin für Naturgefahren und Klimarisiken
Starkregen und Flusshochwasser gefährden industrielle Wertschöpfung
Rund 80% des Güterverkehrs der deutschen Binnenschifffahrt werden über den Rhein abgewickelt. Infolge des Klimawandels nehmen jedoch Starkregenereignisse und Hochwasserrisiken zu und können zu temporären Sperrungen einzelner Flussabschnitte führen. Die Auswirkungen reichen weit über Transportverzögerungen hinaus und wirken sich entlang ganzer industrieller Wertschöpfungsketten aus. Gleichzeitig sind zahlreiche industrielle Standorte am Rheinufer direkt von Überflutungen bedroht.
Ökonomischer Druck durch Zunahme von Extremtemperaturen
Prognosen der Zentralkommission für die Rheinschifffahrt und des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) zeigen, dass sich die Tage mit Niedrigwasser bis zum Jahr 2100 in einem „Weiter-wie-bisher“-Szenario verdoppeln werden. Am Ende des Jahrhunderts kann durchschnittlich mit bis zu zwei Monaten Niedrigwasser im Jahr gerechnet werden.
Besonders kritisch ist der für die Rheinschifffahrt zentrale Pegel bei Kaub: Modellierungen zeigen, dass Pegelstände unter 78 Zentimetern zu Produktionswertverlusten von bis zu 3,4 Milliarden Euro führen können. Bis 2100 müssen Unternehmen zudem mit einem Anstieg der Transportkosten um bis zu zehn Prozent kalkulieren.
Zusätzlich belastet die Erwärmung des Rheins die Standorte. Die Wassertemperatur des Rheins wird laut BMVI bis zum Ende des Jahrhunderts langfristig um bis zu drei Grad Celsius steigen - in Spitzenwerten saisonal sogar um bis zu fünf Grad. Da wärmeres Wasser weniger Sauerstoff bindet, greifen strengere gesetzliche Grenzwerte für die Einleitung von Kühlwasser. Für Kraftwerke sowie die Stahl- und Chemiebranche bedeutet dies im Ernstfall teure Leistungsdrosselungen oder komplette Stillstände.
Welche Maßnahmen können zur Resilienz der Rheinregion beitragen?
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, empfehlen die Experten von HRC technische und organisatorische Adaptationsmaßnahmen, die weit über Standardlösungen hinausgehen:
- Logistische Souveränität:
Neben der Flottenanpassung auf Niedrigwasserschiffe rücken logistische Knotenpunkte im Binnenland - sogenannte Hinterland-Hubs - für die strategische Umladung in den Fokus. Unternehmen sollten Transportrechte proaktiv sichern und spezifische Pegel-Klauseln in Frachtverträge integrieren. Digitale 6-Wochen-Vorhersagen gehören direkt in die Produktions- und Dispositionssysteme eingebunden, ergänzt durch den Aufbau größerer Sicherheitsbestände für kritische Rohstoffe.
- Anlagentechnische Resilienz:
Auf Produktionsseite werden innovative Wassertechnologien entscheidend. Dies umfasst den Umstieg auf geschlossene Kühlkreisläufe und die Wasserrückgewinnung und -aufbereitung, beispielsweise durch Membranfiltration. Ein wesentlicher Hebel ist zudem das adaptive Lastmanagement: Wartungsfenster sollten gezielt in prognostizierte Hitzeperioden gelegt werden. Gleichzeitig sorgt eine optimierte Instandhaltung von der Leckage-Erkennung bis zur Gerätekalibrierung für maximale Ressourceneffizienz.
- Governance und Kooperation:
Um Wassernutzungskonflikte zwischen Industrie, Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung zu vermeiden, empfehlen HDI Global Experten die Etablierung sektorübergreifender Dialoge und klarer Priorisierungsregeln für die Wasserallokation in Extremphasen.
„Wir bringen wir fortschrittliche Klimarisiko-Analytik direkt in die operative Praxis unserer Kunden. Unser Ziel ist es, durch datengestützte Resilienzplanung die Wettbewerbsfähigkeit bedeutender Industriekorridore, wie zum Beispiel des Rheins, trotz sich verschärfender klimatischer Bedingungen nachhaltig zu sichern.“ Lars Regner, HDI Global Head of Risk Consulting Germany
Stand August 2026