In Nachhaltigkeit investieren

Talanx ist einer der größten Windanlageninvestoren in Deutschland. Onshore und offshore. Insgesamt gehören 21 Windparks zum Portfolio, darunter drei auf See. Talanx war mit von der Partie, als mit „Gode Wind 1“ in der deutschen Nordsee erstmals ein Offshore-Windpark über eine Grüne Anleihe („Green Bond“) finanziert wurde. Beim Nachfolgeprojekt „Borkum Riffgrund 2“ agierte die Talanx 2017 erneut als Lead-Manager einer Anleihe für institutionelle Investoren und Banken. 2020 brachten die Infrastruktur-Experten der Talanx mit der anteiligen Finanzierung der Windparks „Hohe See“ und „Albatros“ ihre Expertise ein, um eine Grüne Anleihe für Deutschlands größtes Offshore-Windparkprojekt zu koordinieren. Alle drei Finanzierungen im Volumen von über 1,9 Mrd. EUR erfüllen unabhängig geprüfte „Green Bond“ Standards.

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Peter Brodehser mit der zuständigen Mitarbeiterin Nadine Helzel, die für die Betreuung des Windparks Mahlwinkel zuständig ist. © Goetz Schleser

Operativ verantwortlich für die Finanzierung von Windparks ist Dr. Peter Brodehser, Head of Infrastructure bei der Ampega, der Vermögensverwaltungsgesellschaft der Talanx. Der Mann von stattlicher Natur, den so schnell kein Windstoß umwirft, ist mit seinem Team stets auf der Suche nach interessanten Investments. Dabei kommt es weniger auf die Technik der Anlagen oder die geographische Lage an. Brodehsers Leute sind Finanzexperten: Sie prüfen insbesondere das Renditerisiko, achten auf stabile, gut prognostizierbare Cashflows und bevorzugen lange Laufzeiten. „Das Schöne ist, dass Investments in Windanlagen sich doppelt rentieren – für die Umwelt und für uns als Versicherer“, sagt Brodehser.

So hat sich die Talanx entschieden in den Windpark Mahlwinkel zu investieren. Er steht in unmittelbarer Nähe eines ehemaligen Militärflughafens. Das weitläufige Gelände, eingesäumt von Wäldern aus Lärchen, Birken und Eichen, ist ideal für die Erzeugung von Strom aus Windkraft. In 140 Metern Höhe drehen sich die Rotorenblätter.

Der Windpark liegt außerhalb des altmärkischen Dorfes Mahlwinkel, knapp 50 Kilometer nordöstlich von Magdeburg. 20 Anlagen produzieren hier Naturstrom, darunter auch die 2,3-MW-Riesen von Enercon, die die Talanx seit 2015 betreibt. 90 Mio. kWh erzeugen die Talanx Anlagen von Mahlwinkel jährlich und versorgen damit rund 25.000 Haushalte mit Ökostrom. Insgesamt produzieren die Investments der Talanx in Erneuerbare Energien p.a. 2.660 Mio. kWh. Das reicht in etwa aus, um rund 810.000 Haushalte mit Strom zu versorgen, was ungefähr einer Stadt wie München entspricht.

Investitionen in erneuerbare Energien, insbesondere Windkraft, sind seit einiger Zeit nicht mehr so einfach. Der Bau von Windanlagen in Deutschland geht zurück, weil geeignete Standorte knapper werden und Genehmigungen schwieriger. Andererseits steigt das Interesse von Banken und institutionellen Anlegern, Windparks zu finanzieren. Unter diesen Voraussetzungen zahlt sich das Netzwerk aus, das die Ampega über Jahre aufgebaut hat. „Angebote über neue Windparks stehen nicht in der Zeitung oder im Internet“, sagt Brodehser. „Das läuft über persönliche Kontakte zu Projektentwicklern, großen Energieunternehmen und Baukonzernen.“

Zum Prinzip gehört, dass die Talanx stets den kompletten Windpark erwirbt und nicht nur Teile. Sollte das Finanzvolumen zu groß sein, gibt sie einen bestimmten Prozentsatz an Partner ab. Die Investments werden in Form von Eigen- und Fremdkapital getätigt.

Energieproduktionssteuerung aus der Ferne

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Von der BayWa-Leitstelle in München aus steuern Mitarbeiter u.a.den Windpark Mahlwinkel.

Die technische Betriebsführung der Talanx Parks hat die Münchner BayWa. In der bayerischen Landeshauptstadt hat dieses Unternehmen eine Leitstelle, die rund 1.000 Windanlagen in Europa überwacht – unter anderem die der Talanx. Über eine riesige Monitorwand tickern – generiert von speziellen Wind- und Solar-Softwaresystemen – Live-Zahlenkolonnen, bauen sich blau abgesetzte Säulengrafiken auf, zeigen farbige Wirbel Wind und Wetter an. Ingenieure überwachen aufmerksam das Geschehen. 24/7, 365 Tage im Jahr, in einem rollierenden Schichtsystem mit Kollegen in Edinburgh und in Bangkok. „Unser Job ist es, den Stillstand der Anlagen so kurz wie möglich zu halten“, sagt Matthias Walter-Hobelmann, der gerade in der Leitstelle Dienst hat. Er bildet das Scharnier zwischen Technikern, Netzbetreibern und Parkwärtern.

Koordination ist insbesondere dann gefragt, wenn es im Winter viel Schnee und Eis gibt. Wenn im Frühjahr und im Herbst die Kraniche fliegen, in manchen Gegenden der Rotmilan seine Kreise zieht und in der Dämmerung die Fledermäuse segeln. Vogelschützer und Bauern beobachten die Tierwelt sehr genau und melden sich vorausschauend. Die Anlagen antizipieren solche Gefahren aber auch aufgrund meteorologischer Daten und schalten automatisch ab. Denn ökologische Stromerzeugung soll so gut wie nur möglich im Einklang mit dem Artenschutz stehen.