Zentimeter für Zentimeter zum Erfolg

10. Juni 2017

HDI sicherte das Projekt „Waterview Connection“ in Neuseeland

Mitte 2012 brachte die New Zealand Transport Agency (NZTA) das bisher landesweit „größte und ambitionierteste Straßenbauvorhaben“ auf den Weg: das Waterview Connection Project. Auf 1,4 Milliarden Neuseeland-Dollar, umgerechnet knapp eine Milliarde Euro, beziffert die staatliche Gesellschaft die Projektsumme. An der Ausschreibung nahm HDI Australien teil – und erhielt den Zuschlag als führender Versicherer der so genannten „Well-Connected Alliance“, die das Projekt für die NZTA im Auftrag der neuseeländischen Regierung durchführte. Gleichzeitig verantwortete der Industrieversicherer damit das Risk Consulting sowie das Schadenhandling. HDI Australien ist Teil der HDI Global SE, dem international tätigen Industrieversicherer der Talanx-Gruppe.

„Alice“ leistete Schwerstarbeit

Mit einer Geschwindigkeit von acht Zentimetern pro Minute hat sich „Alice“ durch das Erdreich unter Auckland gefressen. Ein Schneckentempo? Mitnichten. „Alice“ ist eine Tunnel-Bohr-Maschine, kurz TBM, misst einen Durchmesser von 14,4 Metern bei einer Gesamtlänge von fast 88 Metern und wiegt beachtliche 3.200 Tonnen. Zwei Jahre bohrte der rotierende Kopf dieser Hightech-Maschine zwei 2,4 Kilometer lange Röhren in den Boden – während 20 bis 45 Meter über ihr das öffentliche Leben in Neuseelands größter Stadt Auckland seinen gewöhnlichen Gang nahm. Anfang Juli 2017 wurde der Bau nun endgültig abgeschlossen – und der Doppeltunnel für den Verkehr freigegeben.

In Auckland leben etwa anderthalb Millionen Menschen. Als „Bremsklotz“ in diesem Ballungsraum erwies sich der „State Highway 1“. Diese wichtige Nord-Süd-Autobahn verbindet die Region mit der Nordküste und erschließt Stadtzentrum, Häfen und den größten Flughafen Aucklands für den Geschäfts- und Reiseverkehr. Die Folge: Die Verbindung einschließlich der Hafenbrücke war chronisch überlastet. Das soll die Waterview-Verbindung ändern. Die Röhren für Hin- und Rückverkehr – inklusive eines Autobahndreiecks mit Überführungen – wurden bei laufendem Verkehr an zwei bisher unvollendete Autobahnabschnitte angebunden, sodass nun eine zweite Autobahn durch die Stadt, die „Western Ring Route“ endgültig geschlossen wurde.

HDI-Ingenieure und -Techniker weltweit für Kunden vor Ort

„Beginnend bei der Projektplanung begleiten wir den Kunden und unsere Underwriter weltweit aktiv in allen Fragen der Risikoprävention durch unsere erfahrenen Risiko-Ingenieure in den Regionen und am Hauptsitz in Hannover“, sagt Benjamin Rohloff, Risiko-Ingenieur bei HDI Risk Consulting, der das Verkehrsprojekt zusammen mit seinem australischen Kollegen Jim Bell betreute. Die Risiko-Ingenieure analysieren im Rahmen von Baustellenbesichtigungen die Gefahrenlagen und -exponierungen, kontrollieren die Umsetzung vereinbarter sicherheitstechnischer Maßnahmen und stellen die Anwendung international bewährter Methoden sicher. „Mitentscheidend für den Kunden war sicherlich, dass HDI sowohl im Risk Consulting als auch im Underwriting und Schadenmanagement qualifizierte Ingenieure und Techniker vor Ort beschäftigt, sodass stets ein Dialog auf Augenhöhe gewährleistet ist“, betont der HDI-Marktmanager für Technische Versicherungen Andreas Engel, der zwischenzeitlich bereits das nächste beginnende Tunnelprojekt in Sydney, Australien besichtigte.

Projektabschluss im Juli

Seit Projektstart ist die Well-Connected Alliance durch eine Bauleistungsversicherung (Construction All Risk, CAR) gegen sämtliche technische Risiken sowie Unfall-, Feuer- und Elementarschäden abgesichert. Die TBM im Wert von 52 Millionen Neuseeland-Dollar erhielt eine separate Maschinenversicherung. Der zeitlich befristete Versicherungsschutz durch HDI besteht noch zwei Jahre über die Fertigstellung des Vorzeigeprojekts im Juli 2017 hinaus. Er beinhaltet eine Extended-Maintenance-Garantie-Klausel, die Design-, Konstruktions- und Materialfehler absichert, welche möglicherweise während der Bauzeit im Rahmen des Projektes verursacht wurden, jedoch erst nach Projektabschluss sichtbar werden. „Dies könnte beispielsweise der Fall sein, wenn nach anhaltendem Starkregen eine nennenswerte Wassermenge in den Tunnel eindringen würde – beispielsweise, weil Dichtungen bei der Montage versehentlich perforiert wurden“, ergänzt Benjamin Rohloff.

Geotechnische Herausforderungen im Blick

Im Fokus der Risikoanalyse von HDI lag die Verringerung von Feuergefahren, insbesondere auf der TBM. So galt es unter anderem, Brandlasten und das Risiko von Zündfunken zu minimieren. Ebenfalls im Blickfeld der Risiko-Ingenieure waren die Bauorganisation und -ordnung, der Transport und die Lagerung von Materialien. Einen besonderen Schwerpunkt stellten geotechnische Aspekte dar, wie die Zusammensetzung des Baugrunds, Erdbebenrisiken und klimatische Bedingungen. So durften beispielsweise keine größeren Erdarbeiten zu bestimmten Zeiten im Jahr vorgenommen werden, an denen historisch mit den größten Niederschlägen zu rechnen gewesen wäre. Ebenso musste der Bohrkopf der TBM auf die Zusammensetzung der Erdschichten abgestimmt werden.

Spürbare Auswirkungen hätte es auch gehabt, wenn die TBM eine Wasserader getroffen hätte und dadurch der Tunnel geflutet worden wäre. Sehr kritisch waren die unterirdisch verlegten Versorgungsleitungen, zumal das Projekt im innerstädtischen Bereich realisiert wurde. Hier Fehlbohrungen zu verhindern, war einer der Arbeitsschwerpunkte des Teams.

In der Rolle des führenden Versicherers konnte sich HDI mit der Waterview Connection die Beteiligung an einem bedeutenden neuseeländischen Bauvorhaben sichern, das weltweit als Vorzeige-Infrastrukturprojekt gilt.

Drei Fragen Benjamin Rohloff, Risiko-Ingenieur bei HDI Risk Consulting

Was war das Besondere an diesem Projekt?
HDI hat mit dem Projekt „Waterview Connection“ das bislang größte Straßen-Infrastrukturprojekt Neuseelands begleitet. Eine Besonderheit auch für uns war der Einsatz der zehntgrößten Tunnelbohrmaschine der Welt namens „Alice“. Alice misst einen Durchmesser von 14,4 Metern bei einer Gesamtlänge von fast 88 Metern und wiegt beachtliche 3.200 Tonnen. Die Bohrmaschine trug nicht nur das Gestein ab und transportierte das Material dabei nach außen, sondern baute auch die Tunnelwände auf, indem sie die Röhren mit insgesamt über 24.000, je zehn Tonnen schweren Ringsegmenten auskleidete. Das Projekt war für die HDI-Experten eine einzigartige Gelegenheit, ihre weltweite Expertise in den Bereichen Underwriting, Risk Consulting und Schadenbearbeitung unter Beweis zu stellen.

Was waren die größten Herausforderungen?
Am größten war die Feuergefahr, bspw. durch Zündfunken. Auf der Maschine waren ständig leicht entflammbare Betriebsstoffe vorhanden. Das Brandrisiko zu reduzieren war eines der wichtigsten Ziele unserer Risikoanalyse. Im Zuge der Baugrundsondierung mussten außerdem Fragen zur Grundwassersituation geklärt werden. Es dürfen keine größeren Erdarbeiten vorgenommen werden, wenn historisch mit den größten Niederschlägen zu rechnen ist. Ein weiterer Schwerpunkt war die Qualitätssicherung, beispielsweise des Betons.

In einigen Fällen war die Kreativität des Projektteams gefragt: Bei Probebohrungen vor dem Bau brach eine Bohrspitze ab, die Alice hätte beschädigen können. Die beiden Tunnel sollten planmäßig durch Durchgänge für elektrische Leitungen und technische Anlagen und als Notfallgassen für Menschen verbunden werden, sollte in einem Tunnel beispielsweise ein Feuer ausbrechen. Somit kam die Idee auf, den geplanten Standort einer dieser Durchgänge zu verlegen. Auf diese Weise konnte sich das Projektteam seitlich der abgebrochenen Bohrspitze nähern und sie entfernen.
Ein spannender Moment für alle Beteiligten war es auch, als nach der erfolgreichen Bohrung des ersten Tunnels Alice auf engstem Raum um 180 Grad gedreht werden musste, um den zweiten Tunnel zu bohren. Dafür wurde sie nach und nach zerlegt, gewendet und für den zweiten Tunnel wieder zusammengesetzt.

Welche Bilanz ziehen Sie zum jetzigen Projektabschluss?
In der Zusammenarbeit unserer Underwriter und Risikoingenieure mit dem Projektteam, das die Durchführung verantwortete, zeigte sich, dass unser Beitrag sehr geschätzt wurde. Durch eine gezielte Risikoprävention und das konsequente Verfolgen von Verbesserungen konnten wir zu einem sicheren und schadenfreien Ablauf dieses bedeutenden innerstädtischen Bauvorhabens und letztlich zum Projekterfolg beitragen.

Während des gesamten Projektes standen unsere Experten in ständigem Austausch mit der Waterview Alliance und konnten so schnell auf Fragestellungen auf der Baustelle reagieren. HDI beschäftigt im Risk Consulting, Underwriting und Schadenmanagement qualifizierte Risikoingenieure und Techniker vor Ort, die mit den Gegebenheiten und sicherheitstechnischen Gepflogenheiten in Auckland vertraut waren. Dadurch war stets ein Dialog mit dem Projektteam möglich – letztlich ein entscheidender Teil unserer Arbeit.

Die NZ Transport Agency rechnet damit, dass künftig rund 90.000 Fahrzeuge pro Tag durch die Tunnel fahren werden. Die Tunnel müssen also Einiges aushalten.

Weitere Informationen finden Sie auch auf der HDI Global SE-Website

 

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