Willkommen in Kanada

20. Januar 2017

Der Abraham-See im Herzen Kanadas beherbergt eines der aufregendsten Naturschauspiele des Landes. Im Winter, wenn das Thermometer dort für Monate unter null Grad fällt, gefriert der See zu einer dicken Eisschicht. Das allerdings würde vermutlich kaum Fotografen aus aller Welt dorthin locken – wären da nicht die vielen großen und kleinen Blasen, die von dem dicken Eis umschlossen sind. Sie sind ein Lebenszeichen der Pflanzen auf dem Grund des Sees: Das von ihnen ausgestoßene Methan steigt zur Wasseroberfläche und gefriert dort.

Derartige Naturphänomene finden sich in Kanada in großer Zahl, denn das Land ist in vielen Teilen unberührt. Zwar ist es nach Russland das zweitgrößte der Erde. Allerdings leben dort nur 36 Millionen Menschen. Allein die beiden chinesischen Metropolen Peking und Schanghai kommen zusammen auf deutlich mehr Einwohner. Da überdies die meisten Kanadier in Großstädten wie Toronto oder Montreal leben, sind weite Teile des Landes praktisch unbewohnt.

Da trifft es sich ganz gut, dass Kanada auch gleichzeitig reich gesegnet ist mit Bodenschätzen. In der Provinz Alberta lagern die drittgrößten Rohöl-Reserven weltweit, nach Saudi-Arabien und Venezuela. Energiekonzerne stehen Schlange, weil das Land politisch stabil ist. Allerdings ist die Förderung des Öls umstritten, Umweltschützer warnen vor den Folgen für die Natur.

Von Kobalt über Gold bis hin zu Uran stecken aber auch noch viele andere der weltweit begehrtesten Rohstoffe in Kanadas Böden. Sie sind es, die das Land reich gemacht haben. Kanada zählt heute zu den wohlhabendsten Staaten der Welt und ist deshalb nicht umsonst Mitglied im erlesenen Kreis der sogenannten G7, der mächtigsten Wirtschaftsnationen der Welt. Allerdings können die Rohstoffpreise an den Weltmärkten sehr sprunghaft sein. Und das bekam Kanada im vergangenen Jahr zu spüren: Der fallende Ölpreis lastete auf der Wirtschaft, im ersten Halbjahr 2015 schrumpfte sie sogar leicht.

Auf die Schätze im Boden allein will sich Kanada deshalb nicht verlassen. Das Land baute schon früh auf jene in den Köpfen der Menschen. Heute dominiert der Dienstleistungssektor die kanadische Wirtschaft, vor allem die Finanzbranche ist in Kanada stark: Zu den größten Unternehmen Kanadas gehören Banken und Versicherer. Und die meisten von ihnen haben ihren Sitz in Toronto.

Die Stadt ist das Finanzzentrum des Landes, die Börse in Toronto gehört zu den größten der Welt. Im Finanzdistrikt nahe der Bay Street – mittlerweile ein Synonym für die kanadische Finanzbranche, ähnlich wie die Wall Street in den USA – zeichnen Mitarbeiter der HDI Global SE über die dortige Niederlassung Industrieversicherungsgeschäft im Norden Amerikas. Im vergangenen Jahr betreute die Einheit etwa 470 Kunden, die Bruttoprämien lagen bei 39,6 Millionen Euro – gut 42 Prozent mehr als im Vorjahr.

Aber auch die Hannover Rück ist in dem Markt präsent. Im Februar vergangenen Jahres erhielt sie von der Finanzaufsicht die Lizenz, in Kanada ein Büro für das Personen-Rückversicherungsgeschäft zu gründen. Amhlaoibh Lynch hat nun die Aufgabe, die neue Einheit vor Ort aufzubauen. „Um ganz offen zu sein: So eine Gelegenheit bietet sich wahrscheinlich nur einmal im Laufe der Karriere“, sagt der General Manager. „Ich musste deshalb nicht lange darüber nachdenken. Ich hätte nicht glücklicher sein können.“

Amhlaoibh Lynch kennt den Markt ganz genau: Vor seinem Wechsel zur Hannover Rück arbeitete er über 20 Jahre beim größten kanadischen Versicherer Manulife und war dort in leitender Position in vielen verschiedenen Bereichen tätig, unter anderem im Marketing, in der Produktentwicklung und der Tarifierung. Seinen neuen Dienstsitz an der Bay Street teilen er und sein Team sich mit den Kollegen, die schon länger in Toronto für die Hannover Rück arbeiten.

Denn bereits seit 1980 ist die Gesellschaft in Kanada mit einer Niederlassung für das Schaden-Rückversicherungsgeschäft aktiv. Im Laufe der Jahre hat sich das Unternehmen als einer der führenden Rückversicherer im kanadischen Markt etabliert. Der Schwerpunkt ist neben dem üblichen Sach-Geschäft auch der Vertrieb spezieller Deckungen etwa gegen Kreditrisiken oder politische Risiken. Außerdem ist die HannoverRück ein wichtiger Anbieter von Katastrophen-Deckungen für den kanadischen Markt.

 

Fakten zu Kanada

Die heutige kanadische Flagge gibt es erst seit 1965. Die elf Zacken des Ahornblattes entsprechen nicht dem Original in der Natur mit 23 Zacken.
Die Stadt Saint Paul hat die erste Ufo-Landeplattform der Welt gebaut.
Kanada verdankt seinen Namen einem Missverständnis. Der französische Entdecker Jacques Cartier traf 1535 bei seiner Ankunft auf Einheimische, die ihn in ihr „Kanata“ (ihr Wort für „Dorf“) mitnahmen.
Die Kfz-Kennzeichen in Nunavut und den Northwest Territories haben die Form eines Eisbären.
Den US-Nationalsport Basketball erfand 1891 der Kanadier James Naismith.
In großen Teilen Kanadas herrscht aufgrund der Beschaffenheit der Erdplatte weniger Schwerkraft als auf dem Rest der Erde. Ein hundert Kilogramm schwerer Mensch ist dort um sechs Gramm leichter.
Mit 31 Zeichen ist Pekwachnamaykoskwaskwaypinwanik der längste Ortsname Kanadas. Das bedeutet soviel wie: Da wo die wilden Forellen mit Haken gefischt werden.


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